Schreibt KI Geschichte?

Künstliche Intelligenz in der historisch-politischen Bildung
Eine Tagung der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, in Zusammenarbeit mit dem DAAD Center for German Studies at the Hebrew University of Jerusalem und kulturBdigital, Technologiestiftung Berlin


Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Veranstaltung. Leider ist die Veranstaltung bereits ausgebucht. Eine Warteliste können wir nicht anbieten.

Um Ihnen dennoch Einblicke zu ermöglichen, wird die Veranstaltung zeichnerisch dokumentiert und teilweise aufgezeichnet. Die Ergebnisse stellen wir im Anschluss auf unserer Webseite zur Verfügung. Wenn Sie darüber informiert werden möchten, können Sie uns gerne eine E-Mail an veranstaltungen[at]ghwk.de senden. Vielen Dank für Ihr Verständnis.


Seit der Veröffentlichung des KI-Chatbots “ChatGPT” im November 2022 reißt die Debatte über Künstliche Intelligenz nicht ab. Die auf Grundlage statistischer Datenanalysen und wahrscheinlichkeitsbasierter Berechnungen erzeugten Muster, Texte und Bilder berühren immer stärker genuine Arbeitsfelder der Erforschung und Vermittlung von Geschichte. Umso drängender ist die Auseinandersetzung mit Verfahren der generativen und analytischen KI. 

Vor diesem Hintergrund setzen sich inzwischen vermehrt Gedenkstätten und Einrichtungen der historisch-politischen Bildung mit den Folgen dieser Technologien auseinander. Im Januar 2026 veröffentlichten über 30 Gedenkstätten eine gemeinsame Erklärung. Darin wiesen sie auf die stetige Zunahme gefälschter, KI-generierter Bilder zu Holocaust und NS-Verbrechen hin und forderten zu einem entschiedeneren Vorgehen gegen solche Formen einer “Fake History” auf.

Die kritische Auseinandersetzung mit KI für Forschungs- und Bildungszwecke, insbesondere in Bezug auf Holocaust und Nationalsozialismus, ist jedoch nicht neu. Seit mehr als einem Jahrzehnt entwickelt sich eine digitale Holocaustforschung, die KI-gestützte Verfahren zur Analyse, Erschließung und Visualisierung digitalisierter Quellenbestände erprobt. Auch die seit Mitte der 2010er Jahre kontrovers diskutierten Interaktionen mit meist holografierten Überlebenden-Biografien beruhen bereits auf KI-gestützter Spracherkennung.

Die Tagung verfolgt das Ziel, technologische Perspektiven, historische Forschung, didaktische Überlegungen und ethische Fragen miteinander zu verbinden. KI-Anwendungen sollen kritisch reflektiert und zugleich für die historisch-politische Bildungspraxis produktiv gemacht werden: Können Sprachmodelle und andere KI-Verfahren helfen, Geschichte(n) zugänglich zu machen? Können automatisierte Sprach- und Bilderkennung Vergessenes oder Verdrängtes sichtbar machen? Wie können dabei die Transparenz von Datenbasis und Algorithmen sowie die Integrität historischer Quellen bewahrt werden? Welche Rolle spielen KI-Verfahren bei Manipulation oder Fälschung und welche beim Nachweis derselben?

Mit der Diskussion dieser Fragen sollen fundiertes Fachwissen vermittelt, aktuelle KI-Anwendungen kritisch eingeordnet und Perspektiven für eine verantwortungsvolle Nutzung – oder den bewussten Verzicht auf deren Einsatz – in der historisch-politischen Bildung entwickelt werden, um, gemeinsam mit den Lernenden, Autor*innen unserer Geschichte(n) zu bleiben.


Programm:

Mittwoch, 17. Juni 2026

Tagesmoderation: Deborah Hartmann & Bernd Körte-Braun

9. 30 Uhr: Ankunft und Empfang

10.00 Uhr: Grußworte

  • Prof. Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann | Hebrew University of Jerusalem
  • Annette Kleffel & Silvia Faulstich | Technologiestiftung Berlin, kulturBdigital
  • Bernd Körte-Braun | GHWK
  • Johannes Rudloff | Alfred Landecker Foundation, Berlin

10.30 Uhr: Keynote und Diskussion

Analyse und Generierung. Die Wahrheiten der Künstlichen Intelligenz 

Prof. Dr. Felix Stalder | Zürcher Hochschule der Künste

11.15 Uhr: Panelgespräch

Bewahren, Erschließen, Überliefern – KI in (digitalen) Archiven

Moderation: Prof. Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann | Hebrew University of Jerusalem 

  • Digitale Überlieferung (jüdischer) Geschichte 

    Dr. Anna Menny | Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg

  • KI und kulturelles Erbe 

    Clemens Neudecker | Staatsbibliothek zu Berlin 

  • Digitale Quellenkritik 

    Dr. Alina Bothe | Freie Universität Berlin 

  • Oral-History.Digital

    Verena Lucia Nägel | Freie Universität Berlin

12.45 Uhr: Mittagspause

14.00 Uhr: Workshops

Ordnen, Lesen, Interpretieren – KI als Werkzeug historischer Analyse

  • Einführung in KI-Technologien, Open-Source Sprachmodelle und Prompt-Engineering (am eigenen Tablet oder Handy)

    Gordon Dyballa | Berliner Hochschule für Technik

  • Auf dem Weg zu kultur- und kontextbewussten KI-Modellen: Zum Umgang mit KI und kulturellem Erbe an der Stabi Berlin

    Clemens Neudecker, Dr. Jörg Lehmann & Dr. Kai Labusch | Staatsbibliothek zu Berlin

  • Das Projektvorhaben „Mirrorial“: KI als Reflexionsraum zu unbewussten Biases in der Vermittlung von NS und Shoah

    Deborah Hartmann & Aya Zarfati | GHWK

15.30 Uhr: Kaffeepause

16.15 Uhr: Impuls

Klassifizieren, Identifizieren, Verifizieren - KI und das Sichtbarmachen von Geschichte

Dr. Ingo Zechner | Ludwig Boltzmann Institute for Digital History, Wien

16.45 Uhr: Austauschräume

KI und WIR 

  • Raum 1 

    Moderation: Xenia Kitaeva | digiS, Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin

  • Raum 2

    Moderation: Aya Zarfati | GHWK

  • Raum 3

    Moderation: Raul Clermont | GHWK

17.45 Uhr: Ende des ersten Veranstaltungstages

 

Donnerstag, 18. Juni 2026

Tagesmoderation: Deborah Hartmann & Bernd Körte-Braun

10.00 Uhr: Impuls

Wenn das Aleph fehlt – Algorithmische Muster, KI-generierte Bilder und digitale Avatare 

Prof. Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann | The Hebrew University of Jerusalem

10.45 Uhr: Panelgespräch

Fake, Fact and Act – Glaubwürdigkeit und Wahrheit im Zeitalter von KI

Moderation: Clara Mansfeld | Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen

  • KI-generierte Holocaust-Bilder 

    Dr. Iris Groschek | Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen

  • FakeXplain: KI-gestützte Desinformationserkennung 

    Dr. Vera Schmitt | TU Berlin

  • KI und Recht

    Dr. Lisa Käde | JBViniol, Berlin

12.15 Uhr: Mittagspause

13.30 Uhr: Lightning Talks

Stimmen, Bilder, Räume – alles echt hier? – KI in der Erinnerungskultur

Moderation: Deborah Hartmann | GHWK 

  • Interaktive Biografie

    Heike Catherina Mertens | Margot Friedländer Stiftung, Berlin

  • Generierte Erinnerung?

    Prof. Dr. Björn Stockleben | Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

  • Holo-Voices – Stimmen für die Ewigkeit

    Ruth-Anne Damm | ZWEITZEUGEN e.V., Essen

14.30 Uhr: Austauschräume

KI und WIR 

  • Raum 1 

    Moderation: Annette Kleffel | kulturBdigital, Technologiestiftung Berlin

  • Raum 2

    Moderation: Silvia Faulstich | kulturBdigital, Technologiestiftung Berlin

  • Raum 3

    Moderation: Dr. Matthias Haß | GHWK

15.30 Uhr: Kaffeepause

16.00 Uhr: Panelgespräch

Wer schreibt Geschichte? – Historisches Lernen mit oder ohne KI 

Moderation: Dr. Alina Bothe | Freie Universität Berlin 

  • KI-Bilder und Geschichtlichkeit (generic pastness) 

    Prof. Dr. Roland Meyer | Universität Zürich 

  • KI in der Geschichtsdidaktik (Unterricht und Gedenkstätten) 

    Anja Neubert | Universität Leipzig 

  • KI-Avatare in der historisch-politischen Bildung 

    Steffen Jost | Jüdisches Museum Berlin 

17.30 Uhr: Kommentare & Feedback

18.00 Uhr: Ende der Veranstaltung

Wo?

Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Am Großen Wannsee 56-58, 14109 Berlin

Wann?

Mittwoch, 17. Juni 2026, 9.30 - 17.45 Uhr, und Donnerstag, 18. Juni 2026, 10.00 - 18.00 Uhr

Wie?

Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Veranstaltung. Leider ist die Veranstaltung bereits ausgebucht. Eine Warteliste können wir nicht anbieten.

Um Ihnen dennoch Einblicke zu ermöglichen, wird die Veranstaltung zeichnerisch dokumentiert und teilweise aufgezeichnet. Die Ergebnisse stellen wir im Anschluss auf unserer Webseite zur Verfügung. Wenn Sie darüber informiert werden möchten, können Sie uns gerne eine E-Mail an veranstaltungen[at]ghwk.de senden. Vielen Dank für Ihr Verständnis.