#demokratierelevant
Gedenkstätten starten Social-Media-Kampagne gegen rechte Geschichtsnarrative

Berlin, 24.08.2026

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und das Netzwerk Digital History and Memory starten am 24. August unter dem Hashtag #demokratierelevant eine gemeinsame Social-Media-Kampagne. 

Die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz unterstützt die Kampagne und ergänzt sie um einen Wahlaufruf (siehe unten).

 

Mit der Kampagne soll einerseits auf die Gefahr rechtsextremer Geschichtsnarrative und andererseits auf die Bedeutung einer kritisch-reflektierten Erinnerungskultur für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aufmerksam gemacht werden. Die Posts spitzen sprachlich zu: “Gefährlich” ist die kritische Aufarbeitung der NS-Verbrechen für alle Akteur*innen, die Geschichte umdeuten, relativieren oder verdrängen wollen, um ihre politischen Ziele zu erreichen.

Mit der Kampagne reagieren die Gedenkstätten auf die Beobachtung, dass die Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen zunehmend infrage gestellt wird. Nationalistische Geschichtsmythen und völkische Ideologien verbreiten sich schnell, nicht zuletzt unter Jugendlichen. Sie richten sich gegen die kritische Diskussion der Vergangenheit und drohen Fundamente unseres Zusammenlebens zu untergraben: ein respektvolles und solidarisches Miteinander, das auf der Würde jedes einzelnen Menschen basiert.

Dem stellen die Posts entgegen, was Gedenkstätten leisten: Sie setzen sich nachdrücklich für die kritische Aufarbeitung der Gewaltgeschichte ein. Durch Bildungsarbeit und Forschung schaffen sie Räume für eine offene und faktenbasierte Debattenkultur, für die Begegnung von Menschen und die Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen. Sie begreifen die kritisch-reflektierende Erinnerungskultur als wichtigen Beitrag zu einer offenen und diversen Gesellschaft.

Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten: “Durch rechtsextreme Geschichtsnarrative ist die kritisch-reflektierende Erinnerungskultur gefährdet. Gruppenbasierte Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung nehmen immer bedrohlichere Züge an. Wir müssen alles daransetzen, diese Entwicklung zu stoppen – im analogen und im digitalen Raum.”

Arne Jost und Nicole Steng, Sprecher:innen des Netzwerks Digital History and Memory: “Rechtsextreme Gegner:innen der Erinnerungskultur sind in den sozialen Medien unglaublich aktiv und präsent. Deswegen gehen wir als Netzwerk Digital History and Memory mit der Kampagne genau dorthin, um für unsere Arbeit einzustehen.”

Die Kampagne ist als offenes Angebot gestaltet, für Gedenkstätten, historische Museen, Archive und andere mehr. Sie läuft unter anderem auf Instagram, Facebook, Bluesky und LinkedIn unter dem Hashtag #demokratierelevant.

Nicht von ungefähr startet die Kampagne vor den Wahlen im September 2026. Unsere Direktorin Deborah Hartmann ruft zur Wahl auf:

“Demokratie besteht nicht nur aus großen Worten. Oft beginnt sie viel einfacher: mit einer Entscheidung.

Als Direktorin des Hauses der Wannsee-Konferenz beschäftige ich mich täglich mit Geschichte — und mit der Frage, was Menschen tun, wenn es darauf ankommt. Geschichte zeigt nicht nur, wohin Hass und Gewalt führen können. Sie zeigt auch, wie gefährlich Gleichgültigkeit ist: wenn Menschen sich abwenden, nicht zuständig fühlen oder glauben, ihre Entscheidung mache keinen Unterschied.

Wahlen lösen nicht alle Probleme. Sie ersetzen keine Debatte, keinen Widerspruch und keine politische Arbeit. Aber sie sind ein Moment, in dem aus Haltung Handlung werden kann.

Am 6. September ist Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, am 13. September Kommunalwahl in Niedersachsen, am 20. September ist Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin werden das Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlungen gewählt.

Ich selbst darf übrigens nicht wählen — ich bin keine deutsche Staatsbürgerin. Das ist vielleicht eine etwas ungewöhnliche Ausgangslage für diesen Aufruf. Aber gerade deshalb sage ich: Wer wählen darf, hat eine Möglichkeit, die nicht alle haben.

Nutzen Sie sie.”

Deborah Hartmann, Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Das Bild zeigt einen einfarbigen, hellblauen Hintergrund ohne weitere Details oder Elemente.

Eike Stegen

Abteilung Kommunikation und Öffentlichkeit / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit