Zur Wahl in Sachsen-Anhalt
Berlin-Wannsee, 07.09.2026
Deborah Hartmann, Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz:
Wie gestern, so heute und morgen: Wir unterstützen unsere Kolleg*innen in den Gedenkorten Sachsen-Anhalts, das Bauhaus, die vielen zivilgesellschaftlichen Institutionen und Organisationen, die in der historisch-politischen Bildung aktiv sind, die sich für Vielfalt, Demokratie und Inklusion einsetzen und gegen Antisemitismus und Rassismus engagieren.
Dass es dem BSW, das uns in Berlin auf Wahlplakaten als eine seiner Kernbotschaften vermittelt, dass Kritik an Israel kein Antisemitismus sei, nun zufällt, den Autor des rechtsextremen AFD-Wahlprogramms Hans-Thomas Tillschneider als Bildungsminister ins Amt zu bringen, ist entsetzlich. Wir teilen vollumfänglich die Einschätzung von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland:
“Über die letzten Monate war klar ersichtlich, welche Ziele die AfD verfolgt. Wer sie heute gewählt hat – trotz oder wegen dieser Ziele – trägt die Verantwortung für dieses Ergebnis. […] Ich fürchte den Einfluss, den sie durch eine radikal veränderte Bildungspolitik auf so viele Kinder und Jugendliche nehmen werden […]. Der Schaden, den die sogenannte Alternative für Deutschland jetzt anrichten würde, wenn sie in Verantwortung gelangt, ist immens. Bildung ist der wichtigste Grundstein für den Erhalt unserer offenen Gesellschaft und den Kampf gegen Antisemitismus […]. AFD-Politiker wie der als Anwärter auf das Kultusressort geltende Landes-Vize Hans-Thomas Tillschneider, der sich für das Wahlprogramm verantwortlich zeichnet und dessen außerparlamentarische Aktivitäten seit 2020 vom Verfassungsschutz beobachtet werden, wollen eine Abkehr vom bundesrepublikanischen Konsens erzwingen.”
Wir unterstützen das Statement von Prof. Dr. Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora:
“Erstmals seit 1945 haben Rechtsextreme mehr als 40% in einem Land erhalten - und das mit einem radikaleren Programm denn je. Unsere Solidarität muss nun den vielen Menschen gelten, die sich in Sachsen-Anhalt für eine offene Gesellschaft und die liberale Demokratie engagieren.
Solidarität auch mit den Kolleg:innen in den Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Das AFD-Wahlprogramm ist ein Generalangriff auf die Erinnerungskultur. Gedenkstätten spricht es implizit die Existenzberechtigung ab: Nationalismus statt kritischer Auseinandersetzung mit dem NS.
Länder und Bund sind aufgefordert, die Arbeit der Gedenkstätten und die historisch-politische Bildung in Sachsen-Anhalt rechtlich abzusichern, wenn die AFD dort in Regierungsverantwortung kommen sollte.”
Ebenso schließen wir uns dem Statement von Andreas Froese an, dem Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora:
“Die Mehrheit der Wähler:innen hat gestern bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht die AFD gewählt. Es kommt nun sehr darauf an, die zahlreichen Menschen in Sachsen-Anhalt, die sich mutig gegen Rechtsextremismus, Geschichtsrevisionismus und Menschenfeindlichkeit engagieren, nicht alleine zu lassen.
Dass erstmals seit 1945 Rechtsextremist:innen in Regierungsverantwortung kommen könnten, nimmt alle (!) politischen Akteur:innen in Sachsen-Anhalt und im Bund in die Pflicht, ihrer politischen Verantwortung gerecht zu werden, um das zu verhindern. Unser Land ist nicht wertneutral”
Eike Stegen
Abteilung Kommunikation und Öffentlichkeit / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit