Störfaktor Holocaust. Verschiebungen und Verwerfungen der Erinnerungskultur in Deutschland
Vortrag und Gespräch mit Deborah Hartmann, Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, im Rahmen der Tagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Tagungszentrum Hohenheim (und online)
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war das Gedenken an die nationalsozialistischen Verbrechen alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Oft waren es nur die überlebenden Betroffenen, die sich dafür einsetzten, dass an den historischen Orten der Verbrechen Mahnmale oder Gedenkstätten entstanden. Bis weit in die 1990er Jahre hinein blieben indessen viele Tatorte völlig unsichtbar und damit unbekannt.
Als der Historiker und Auschwitzüberlebende Joseph Wulf in den 1950er Jahren den Plan fasste, ein Dokumentationszentrum am historischen Ort der sogenannten Wannsee-Konferenz zu schaffen, einer im Januar 1942 stattgefundenen Besprechung hochrangiger Repräsentanten des NS-Systems, auf der die logistische Umsetzung der Ermordung aller europäischen Jüdinnen und Juden geplant wurde, bekam er zwar einigen Zuspruch, erntete aber auch heftigen Gegenwind. Als “Denkmal der Schande” polemisierte die Zeitung “Christ und Welt” 1967 gegen Wulfs Idee, eine Formulierung, die wortgleich einige Jahrzehnte später der Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke gegen das Denkmal für die Ermordeten Juden Europas im Zentrum Berlins bemühte. Joseph Wulf hatte aber am Wannsee nicht nur ein Dokumentationszentrum geplant, das die in aller Welt verstreuten Dokumente der NS-Verbrechen an einem Ort zugänglich machen sollte, sondern behielt von Anfang an auch deren “Folgeerscheinungen” im Blick, nicht zuletzt, weil er mit seiner Initiative immer wieder auf Erinnerungsabwehr und Leugnung stieß.
Wie steht es mit dem Gedenken an die Shoah in Deutschland heute? Grund zu Zufriedenheit gibt es keine. Der Kampf um die Erinnerung ist in den vergangenen Jahren wieder intensiver geworden. Nicht nur die “erinnerungspolitische Wende um 180 Grad”, die AfD-Politiker Höcke proklamiert hat, zeigt ihre Wirkung. Auch der 7. Oktober 2023, der Angriff der Hamas auf Israel, hinterlässt seine Spuren. Die Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz Deborah Hartmann geht in ihrem Vortrag den Verschiebungen und Verwerfungen der Holocaust-Erinnerung in Deutschland nach und diskutiert aktuelle Herausforderungen.
- Anmeldung
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Die Veranstaltung ist kostenfrei. Wir bitten um Anmeldung bis spätestens 9. November unter http://www.akademie-rs.de/vakt_26152. Sie erhalten eine Anmeldebestätigung.
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- Datum
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Freitag, 14. November 2025, 19-21 Uhr
- Veranstaltungsort
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Online, oder vor Ort:
Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Tagungszentrum Hohenheim
Paracelsusstraße 91
70599 Stuttgart
Ihre Anreise: www.akademie-rs.de/hohenheim-anreise - Tagung "Anspruch und Wirklichkeit"
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Der öffentliche Abendvortrag findet im Rahmen der Tagung “Anspruch und Wirklichkeit. Gesellschaftspolitische Herausforderungen für die Gedenkstättenarbeit” statt. Weitere Informationen finden Sie unter www.akademie-rs.de/vakt_26082.