Fortbildungen für Bundesministerien

• Das Innenressort im Nationalsozialismus und nach 1949

• Das Reichsjustizministerium und seine Rolle im "Dritten Reich"


Fortbildungsveranstaltung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums des Innern

Das Innenressort im Nationalsozialismus und nach 1949
- Kontinuitäten, Brüche, Neuanfänge

Gemeinsam mit dem Bundesministeriums des Innern für Bau und Heimat führt die Gedenk und Bildungsstätte Haus- der Wannsee-Konferenz eine Serie von Fortbildungsveranstaltungen durch.
Diese Fortbildungsveranstaltung komplementiert das im Jahre 2014 angelaufene Forschungsprojekt zur „Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte beider deutscher Innenministerien“, welches die Nachkriegskontinuitäten zur NS-Zeit im Bundesministerium des Innern und im Ministerium des Innern der DDR untersucht.
Hierzu erschien am 19. Juni 2018 im Verlag Wallstein eine Überblicksstudie einer Forschergruppe beim Institut für Zeitgeschichte Berlin/München und beim Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam unter dem Titel „Die Hüter der Ordnung“, die am selben Tage im Bundesinnenministerium vorgestellt wurde: Meldung Ministerium 19.06.2018.

Unser Fortbildungsangebot soll Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bundesinnenministeriums die Gelegenheit geben, sich am historischen Ort der Wannsee-Konferenz mit der Geschichte des Innenressorts auf Reichs- und Bundesebene vertraut zu machen und über zentrale berufsgeschichtliche Fragen zu diskutieren:

  • Wie reibungslos war der Übergang des Reichsministeriums des Innern (RMdI) von der Demokratie in die Diktatur?
  • Welche Weichenstellungen führten zur Aushöhlung des Weimarer Verfassungs- und Rechtsstaates und zum Aufbau eines diktatorischen Unrechtsstaates?
  • Wie gestaltete sich die Verdrängung jüdischer und demokratischer Ministerialbeamter? Welche Rolle spielte das RMI in diesem Prozess?
  • Welche Rolle spielten Ministerialbeamte des RMdI bei der Definition, Entrechtung und Verfolgung der Juden im Deutschen Reich und dessen Machtbereich sowie schließlich bei der Planung, Organisation und Durchführung des Völkermordes an den europäischen Juden?
  • Welche Handlungsoptionen für Mitarbeiter des RMdI existierten innerhalb des NS-Regimes?
  • Welche mentalen Einstellungen und welches Berufsverständnis hatten die Mitarbeiter des RMdI?
  • Wie sah die Sozialisation der Ministerialbeamten (des RMdI bzw. des BMI) vor, während und nach der NS-Zeit aus? Welches waren die prägenden Erfahrungen und Diskurse für diese Generation?
  • Welche personellen und sachlichen Kontinuitäten existierten und wie haben sich diese auf den Aufbau eines demokratischen Rechtsstaates in der Bundesrepublik ausgewirkt?
  • Welche Entwicklungen lassen sich zeitgleich im Ministerium des Innern der DDR ausmachen?

Das Programm umfasst neben einem historischen Überblicksvortrag – „Vom RMdI zum BMI 1919 – 1989“ - eine Führung durch die Ausstellung und gibt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Nachmittag die Gelegenheit, sich anhand von Quellenmaterial und Biographien ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Innenressorts mit der Innenverwaltung vor und nach 1945 zu befassen und hierbei Kontinuitäten oder Neuanfänge in Ost und West in den Blick zu nehmen.
Die Veranstaltung wird von Herrn Christopher Scheel und mir durchgeführt und stützt sich u.a. auf Ergebnisse der o.g. Studie und Quellenfunde der Forscherinnen und Forscher.

Dr. Hans-Christian Jasch
Direktor, Haus der Wannsee-Konferenz


Fortbildungsveranstaltung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz

Seit Herbst 2016 führt die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gemeinsam eine Fortbildungsreihe für Angehörige des Ministeriums zu den Konsequenzen aus der Beteiligung der damaligen Ministerialverwaltung am NS-Unrecht und dessen mangelhafter Aufarbeitung in der jungen Bundesrepublik durch.

Die zweitägige Veranstaltung bietet die Möglichkeit, sich vertieft mit den Erkenntnissen aus dem Rosenburg Projekt auseinander zu setzen und wirft ein Schlaglicht auf das Reichsjustizministerium und dessen Rolle im "Dritten Reich".

Anhand historischer juristischer Dokumente sowie Biographien ausgewählter Juristen können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Beteiligung des Reichsjustizministeriums an den NS-Verbrechen befassen und sich die hieraus ergebenden Folgerungen für die Gegenwart vor Augen führen. In diesem Jahr besteht im Rahmen des nächsten Seminars am 14.-15. Juni 2018 darüber hinaus - erstmals - die Möglichkeit, sich auch mit der Rolle der Rechtswissenschaft bei der Legitimierung des NS-Staates zu beschäftigen (am Beispiel der Biografie von Theodor Maunz).

Am ersten Seminartag ist ein Besuch des Gedenkortes Papestraße (ehemaliges SA-Gefängnis) sowie eine Führung durch das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors geplant. In der Papestraße werden der frühe Terror gegen NS-Regimegegner und dessen Institutionalisierung als Mechanismus der Machterlangung und -sicherung behandelt. Die Topographie des Terrors bietet einen Überblick die sog. Gegnerbekämpfung im NS-Staat. Der zweite Seminartag wird wie gewohnt in den Räumlichkeiten der Gedenkstätte "Haus der Wannsee-Konferenz" stattfinden.

Dr. Hans-Christian Jasch
Direktor Haus der Wannsee-Konferenz