Projekte: Sonderausstellungen

Digitale Foto-Ausstellung zum deutschen Überfall auf Polen 1939

Aus dem Bestand Kurt Seeligers


   Die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz erarbeitet momentan mit Unterstützung des digiS eine Online-Ausstellung zum deutschen Überfall auf Polen. Sie basiert auf einem Konvolut von 97 Fotografien, die von dem Wehrmachtsangehörige Kurt Seeliger von September bis Oktober 1939 als Mitglied der motorisierten Beobachtungs-Abteilung 13 aufgenommen wurden. Der Bestand wurde dem Haus der Wannsee-Konferenz vom Enkel Kurt Seeligers überlassen.

   Auf den Fotografien sind der Alltag der Soldaten und durch den Krieg zerstörte polnische Ortschaften ebenso zu sehen, wie Repressalien gegen die örtliche zivile Bevölkerung, der Zwangsarbeitseinsatz von Juden und die durch den Krieg ausgelösten Fluchtbewegungen. Die Bilder sind auf der Rückseite mit handschriftlichen Kommentaren des Fotografen versehen, was eine genaue Einordnung in den Kriegsverlauf erlaubt.

   Das Material wurde digitalisiert und wird am So., 25.11.18, 12:30 Uhr, bei einer Präsentation im Haus der Wannsee-Konferenz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: in einer interaktiven Online-Ausstellung in deutscher, englischer und polnischer Sprache. Das Projekt wird durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin und das Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS) gefördert.


„An Unrecht erinnern“ - eine deutsch-russische Online-Ausstellung

Projekt zu sowjetischen Kriegsgefangenen

Geplant ist eine Online-Ausstellung über sowjetische Kriegsgefangene während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausstellung soll ausgehend von Biografien vor allem Jugendliche ansprechen, ihnen eine geografische und zeitliche Orientierung bieten und für Fragen von Erinnerung und Gedenken sensibilisieren.

Im Prozess der Vorbereitung dieser Ausstellung sollen auf russischer und deutscher Seite bereits Schüler*innen eingebunden werden, die in ihrem geografischen Umfeld nach (Erinnerungs-) Spuren dieser Lebensgeschichten recherchieren. Mindestens 20 Biografien sollen am Ende präsentiert werden.
In für Jugendliche verständlicher Sprache sollen folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie wurden sowjetische Kriegsgefangene von der Wehrmacht behandelt und wie unterschied sich diese Behandlung von den Bedingungen für Gefangene anderer Nationalitäten? Es sollen auch weibliche Gefangene porträtiert werden – wie waren die Bedingungen für sie?
  • Welche ideologische Grundlage hatte dieses Vorgehen? Wie war die Gesetzeslage und wie wurde von den Tätern argumentiert?
  • Zu welcher Zwangsarbeit wurden Kriegsgefangene eingesetzt? Unter welchen Bedingungen?
  • Wie reagierte die deutsche Bevölkerung auf die Häftlinge, welche Kontakte gab es?
  • Wie erging es den Rückkehrern nach Kriegsende in der Sowjetunion? Wie war ihre rechtliche Situation, wie wurde an das Kriegsgeschehen erinnert?
  • Wie entwickelte sich die Entschädigungsdebatte in Deutschland bis zur symbolischen „Entschädigung“ im Jahr 2016?
  • Wie entwickelte sich die Erinnerungskultur in Deutschland hinsichtlich dieser Opfergruppe? Was ist an „Tatorten“ heute zu sehen? Welche Erinnerungszeichen gibt es?

Neben erklärenden Texten werden Audio- und Video-Interviewausschnitte, Fotos, Zeichnungen, (Täter-)Dokumente und Zeitungsartikel zu sehen sein.
Dieses Projekt wird von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ sowie aus Eigenmitteln der Gedenkstätte finanziert und hat eine geplante Laufzeit von eineinhalb Jahren. Das Projekt wurde im Mai 2018 begonnen. Der Haupt-Kooperationspartner ist die Menschenrechtsorganisation „Memorial International“ in Moskau. Daneben werden weitere Kooperationen mit Gedenkstätten und anderen Einrichtungen in Deutschland geschlossen, die einen thematischen Beitrag zum Projekt leisten können und wollen.


Bibliothekarinnen und Bibliothekare im Nationalsozialismus

Ein neuer Studientag im Haus der Wannsee-Konferenz
Basierend auf der zusammen mit dem Aktiven Museum erarbeiteten Sonderausstellung zu Berliner Bibliotheken im Nationalsozialismus (hier der link dazu) wird in der Gedenk- und Bildungsstätte nun auch ein Studientag zum Thema angeboten. In dieser ganztägigen Fortbildung wollen wir anhand von Quellen und Biografien der Frage nachgehen, wie sich die Arbeitsbedingungen, Aufgaben und das Selbstverständnis von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren nach dem Machtantritt Hitlers verändert haben, wer ausgegrenzt wurde und wo es Handlungsspielräume gegeben hat.

Die zentrale Rolle von Bibliothekspersonal bei der Indizierung von Literatur und im Ergebnis bei der Zerschlagung von Sammlungen politischer und „rassischer“ Gegner werden ebenso thematisiert wie die veränderten Bedingungen für die Nutzerschaft.

Der für Gruppen ab 10 Personen buchbare ganztägige Studientag ist für Auszubildende und Studierende kostenfrei. 
Bitte wenden Sie sich bei Interesse an bildung[at]ghwk.de.

•  Programm des Studientages


70 Jahre Genozidkonvention und die Pioniere der frühen Holocaust- und Genozidforschung

Gemeinsam mit Studentinnen und Studenten vom Touro College, Berlin, der Wiener Library in London und mit großzügiger Förderung durch das Auswärtige Amt erarbeitet die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz derzeit eine Ausstellung zu den Pionierinnen und Pionieren der frühen Dokumentation, Erforschung und schließlich strafrechtlichen Verfolgung der Holocaustverbrechen in den 1940er Jahren.

Die Ausstellung soll anlässlich des 70. Jahrestages der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes (Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide, CPPCG) in Berlin, London, New York und Den Haag gezeigt werden.

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„Wir konnten nirgendwo hin. Jüdische Flüchtlinge 1938-39“


Das Projekt „Wir konnten nirgendwo hin. Jüdische Flüchtlinge 1938-39“ bietet Bildungsmaterialien zum Thema Flucht. Ausgehend von der Situation der deutschen und österreichischen Juden 1938-39 zielt das Projekt auf die Reflexion der Situation von gegenwärtigen Flüchtlingen und Fluchtprozessen.

Das Material besteht aus drei ausführlichen historischen Modulen (Evian Konferenz, Kindertransport und St. Louis) sowie einer Übung, die vor oder nach den Modulen genutzt werden kann. Die Übung soll zur Reflexion von individuellen Gedanken und Positionen zum Thema Flucht anregen und eine Verknüpfung zwischen Gegenwart und Vergangenheit fördern.

Die Materialien wurden in Kooperation von Pädagoginnen und Pädagogen der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin und dem Massuah Institute for Holocaust Studies in Israel erarbeitet und durch die Stiftung EVZ (Erinnerung, Verantwortung, Zukunft) gefördert.

  • Website: "Wir konnten nirgendwo hin"