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US-Truppen beschlagnahmen Akten des Auswärtigen Amtes, Schloss Meisdorf, 19. April 1945

Aktenfunde

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Kurz vor Kriegsende beschlagnahmen amerikanische Soldaten ausgelagerte Akten des Auswärtigen Amtes. Viele Dokumente, die die Verbrechen der Nationalsozialisten beweisen, waren zu diesem Zeitpunkt bereits vernichtet. Vom Protokoll der Besprechung am Wannsee gab es dreißig Ausfertigungen oder Kopien, doch bis heute ist nur ein einziges Exemplar gefunden worden. US-Soldaten entdeckten es in einem Ordner im Verbund mit 300 anderen Beweisstücken, darunter viele weitere Pläne zur Verdrängung und Ermordung der deutschen und europäischen Jüdinnen und Juden.

Es dauerte eine Weile, bis die zentrale Bedeutung der Besprechung am Wannsee erkannt wurde. Erstmals wurde das Protokoll 1947 im sogenannten „Wilhelmstraßen-Prozess“ als Beweismaterial angeführt, und zwar von Robert Kempner, der die Anklage der USA vertrat.

Kempner war ein erklärter Gegner des Nationalsozialismus‘ gewesen. Bis 1933 Jurist im preußischen Innenministerium, wurde er schon bald nach der Machtergreifung aus dem Staatsdienst entfernt – auch wegen seines jüdischen Familienhintergrundes. Er floh zunächst nach Italien, später in die USA. Dort wurde er 1943 Mitglied einer UN-Kommission, die Beweise für Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg zusammentrug. Kempner war einer von vielen deutsch-jüdischen Emigranten, die den Kampf gegen das NS-Regime unterstützten und in der Nachkriegszeit am demokratischen Neuaufbau und der Aufklärung und Ahndung der NS-Verbrechen mitwirkten.