Emanuel Ringelblum

Emanuel Ringelblum (1900–1944) ist der Gründer des Geheimarchivs Oyneg Shabes (Freude am Schabbat) im Warschauer Ghetto.

Ein junger Mann in einem Anzug sitzt frontal zur Kamera. Er hat dunkles, welliges Haar und trägt ein weißes Hemd mit einer necktie. Der Hintergrund ist unscharf und hell, während das Bild insgesamt in Schwarzweiß gehalten ist.
© The Ghetto Fighters’ House Museum, Israel/The Photo Archive
Emanuel Ringelblum, Ort und Datum unbekannt.

Ringelblum studiert in den 1920er-Jahren in Warschau und promoviert zur jüdischen Geschichte der Stadt. Er arbeitet mehrere Jahre an jüdischen Schulen und am Jüdischen Wissenschaftlichen Institut in Wilna. Ihn interessiert jüdische Sozialgeschichte. Seine Forschungen verbindet er mit karitativer und politischer Arbeit.

Eine Gruppe von sieben Personen steht lächelnd vor einem Holzgebäude. Es sind drei Männer und eine Frau in hellen Kleidern, umgeben von weiteren Männern in Anzügen. Die Stimmung wirkt freundlich und entspannt. Die Landschaft im Hintergrund ist ländlich und weitläufig.
© Archives of the YIVO Institute for Jewish Research, New York
Ringelblum (Erster von links) und Rachel Auerbach (Dritte von links) zusammen mit weiteren jüdischen Autoren und Wissenschaftlern in den 1930er-Jahren, Ort unbekannt.
Eine offene, handgeschriebene Seite in einem Notizbuch. Der Text ist in unleserlicher Schrift verfasst und umfasst zahlreiche Zeilen, die sich über zwei Seiten erstrecken. Die Schrift wirkt persönlich und informell, vermittelt den Eindruck von Notizen oder Gedanken eines Autors.
© www.wikimedia.org / Public Domain
Ausschnitt der Warschauer Ghetto-Chronik von Ringelblum. Als Teil seines geheimen Archivs kann sie nach dem Krieg geborgen werden.

Nach dem deutschen Einmarsch in Polen wird Ringelblum gezwungen, ins Warschauer Ghetto zu ziehen. Mit der Gründung des Untergrund-archives Oyneg Shabes will er jüdisches Leben und Verfolgung für die Nachwelt dokumentieren. Es soll auch Zeugnis von der Stärke und dem Mut der Gefangenen im Ghetto ablegen. Ringelblum und andere – wie etwa Rachel Auerbach – tragen Quellen zusammen, führen Interviews und erstellen Analysen. Angesichts der Deportationen ins Vernichtungslager Treblinka vergraben sie ihre eindrucksvolle Sammlung in Milchkannen und Metallkisten. So verhindern sie, dass die Dokumente den Deutschen in die Hände fallen oder zerstört werden.

Ringelblum versteckt sich 1943 mit seiner Frau und seinem Sohn außerhalb des Ghettos. Ein Jahr später werden sie denunziert und schließlich im Warschauer Pawiak-Gefängnis erschossen.

Nach dem Krieg werden große Teile des verborgenen Archivs aufgefunden. Bis heute ist die Sammlung eine der wichtigsten Quellen der Holocaustforschung. Sie wird im Jüdischen Historischen Institut in Warschau aufbewahrt, das nach Emanuel Ringelblum benannt ist.

Emanuel Ringelblum von Romina Wiegemann (auf Englisch)

Auszug aus dem Online-Event zur Sonderausstellung "Verfolgen und Aufklären. Die erste Generation der Holocaustforschung"