Massimo Adolfo Vitale

Massimo Adolfo Vitale (1885–1968) sucht zeit seines Lebens nach den Namen der aus Italien und von den Ägäischen Inseln deportierten jüdischen Menschen.

Ein älterer Mann mit einem freundlichen Lächeln, der einen Anzug und eine Krawatte trägt. Er hat graues Haar und steht vor einem unscharfen Hintergrund. Das Bild vermittelt eine Atmosphäre von Ruhe und Selbstsicherheit.
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Massimo Adolfo Vitale, Ort und Datum unbekannt.

Vitale wird in Turin geboren und studiert dort Jura. Als dekorierter Veteran des Ersten Weltkriegs fungiert er in Eritrea, Somalia und Libyen als Repräsentant der italienischen Kolonialadministration. 1938 zwingt ihn die italienische Rassengesetzgebung zur Aufgabe dieses Amtes. Er sucht Zuflucht in England, Frankreich und Marokko. Erst 1944 kehrt er nach Italien zurück. Seine Mutter und seine Schwester werden aus Turin deportiert und ermordet.

Eine historische Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt eine Gruppe von Männern auf Kamelen, die in traditioneller Kleidung gekleidet sind. Einige tragen Fahnen und scheinen Teil einer Zeremonie oder Parade zu sein. Der Hintergrund ist karg und zeigt eine Wüstenlandschaft.
© Gian-Franco Vitale
Postkarte mit Vitale und dem Mehari Schwadron in Bengasi, Libyen, 1924.
Eine Seite aus einem Buch oder Dokument, die verschiedene Einträge mit Namen und Informationen enthält. Die Einträge sind klar nummeriert und beinhalten möglicherweise geografische oder biografische Daten. Der Hintergrund ist gelblich und die Schrift ist in derselben Farbe gehalten.
© Fondazione Centro di Documentazione Ebraica Contemporanea (CDEC), Milano
Eine Seite aus Vitales detaillierter Liste italienischer Juden und Jüdinnen, die in den Jahren 1940 bis 1944 deportiert werden.

Nach seiner Rückkehr beauftragt ihn das Comitato Ricerche Deportati Ebrei (Komitee zur Suche nach jüdischen Deportierten) mit der Leitung der Recherchen. Vitale organisiert Unterkünfte und Lebensmittel für Überlebende des Holocaust und nimmt 1947 am Prozess gegen den Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß, in Warschau teil. Er besucht mehrere ehemalige Konzentrationslager und beginnt seine Forschungen zu Polen. Bereits 1946 verfasst er Les persécutions contre les juifs en Italie 1938-1945 (Die Verfolgung der Juden in Italien 1938-1945).

In diesem Bericht betont Vitale die Verantwortung des Vatikans und der katholischen Kirche bei der Unterstützung der Faschisten. Seine investigative Arbeit ergibt eine Liste: 7496 Jüdinnen und Juden sind aus Italien und von den Ägäischen Inseln deportiert worden. Es überlebten nur 837.

“Fast alle italienischen Juden trauern um jemanden, der nicht zurückkehren wird und von dem man weder das Todesdatum noch den Ort des Grabes kennt. Wenn daher gefragt wird, ob sich etwas zwischen Juden und Nichtjuden in Italien verändert habe, so kann man antworten: Vor 1938 waren wir Juden in Italien Italiener, jetzt sind wir ‚jüdische Italiener‘.”

Massimo Adolfo Vitale
Das Bild zeigt ein Familienfoto von drei Personen: einer Frau, einem Mann und einem kleinen Mädchen. Die Frau trägt einen blauen Mantel und lächelt. Das Mädchen hat eine große Schleife im Haar und sitzt in der Mitte. Der Mann ist ebenfalls lächelnd zu sehen.
© Fondazione Centro di Documentazione Ebraica Contemporanea (CDEC), Milano
Eine der bibliografischen Karteikarten, die von 1939 bis 1955 beim Komitee zur Suche nach jüdischen Deportierten unter der Leitung von Vitale erstellt werden.

Ab 1955 ist Vitale für das Centro di Documentazione Ebraica Contemporanea (Dokumentationszentrum für jüdische Zeitgeschichte) in Mailand tätig. Er widmet sich dem Kampf gegen Antisemitismus in Italien und Polen.

Massimo Adolfo Vitale von Nicole Henzler (auf Englisch)

Auszug aus dem Online-Event zur Sonderausstellung "Verfolgen und Aufklären. Die erste Generation der Holocaustforschung"