Joseph Wulf

Joseph Wulf (1912–1974) veröffentlicht die ersten Dokumentationen über den Holocaust in deutscher Sprache und konfrontiert die deutsche Gesellschaft mit den Verbrechen.

© Archiv Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
Wulf an seinem Schreibtisch in Berlin-Charlottenburg, Datum unbekannt.

Wulf wird in Chemnitz geboren, wächst aber in Krakau auf und erhält eine rabbinische Ausbildung. Zwischen 1941 und 1943 gehört er in den Ghettos von Krakau und Bochnia dem Widerstand an. 1943 wird er nach Auschwitz deportiert. Auf einem der Todesmärsche gelingt ihm 1945 die Flucht. Seine Frau und sein Sohn überleben im Versteck bei einem polnischen Bauern.

Nach dem Krieg ist Wulf Mitarbeiter der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission in Polen. Ab 1947 lebt er für kurze Zeit in Paris, wo er das Centre pour l’Histoire des Juifs Polonais (Zentrum für die Geschichte der polnischen Juden) mitbegründet.Außerdem lernt er dort Léon Poliakov kennen, mit dem er später mehrere Bücher veröffentlicht.

© Ursula Böhme
Joseph Wulf im Garten der Villa, in der am 20. Januar 1942 die „Wannsee-Konferenz“ stattfand.

Von 1955 bis zu seinem Suizid 1974 lebt Joseph Wulf in Berlin. Er beschäftigt sich mit der Geschichte des Holocaust und der Kultur des ausgelöschten polnischen Judentums. In seinen Veröffentlichungen dokumentiert er vor allem deutsche Quellen: Sein Ziel ist es, die deutsche Gesellschaft über die Verbrechen aufzuklären. Die Nennung der Namen der Verantwortlichen durch Wulf trifft in der Nachkriegsgesellschaft auf großen Widerstand.

“Ich habe hier 18 Bücher über das Dritte Reich veröffentlicht und das alles hatte keine Wirkung. Du kannst Dich bei den Deutschen tot dokumentieren, es kann in Bonn die demokratischste Regierung sein – und die Massenmörder gehen frei herum, haben ihr Häuschen und züchten Blumen.”

Joseph Wulf
© Ursula Böhme
Joseph Wulf in seiner Wohnung in der Giesebrechtstraße in Berlin-Charlottenburg mit der Mahnung: „Erinnere dich an die 6 Millionen!“ über seinem Schreibtisch.

Zudem bemüht er sich erfolglos, in der Villa, in der die „Wannsee-Konferenz“ stattfand, ein Forschungsinstitut zum Nationalsozialismus und seinen Folgen zu gründen. Dort berieten am 20. Januar 1942 Ministerialbeamte und Vertreter von Polizei über die sogenannte Endlösung – den Judenmord. Erst lange nach Wulfs Tod wird an diesem Ort 1992 die Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, deren Bibliothek seinen Namen trägt, eröffnet.