Léon Poliakov

Léon Poliakov (1910–1997) gründete ein Zentrum zur Erforschung des Holocaust in Frankreich und veröffentlichte zahlreiche Studien zu unterschiedlichen Tätergruppen.

© Mémorial de la Shoah/collection Germaine Poliakov
Léon Poliakov, Ort und Datum unbekannt.

Poliakov wird in St. Petersburg geboren. Nach der Oktoberrevolution 1917 emigriert seine Familie nach Paris, er studiert Jura und Literaturwissenschaft. Anschließend arbeitet er als Journalist und gibt mit seinem Vater eine deutschsprachige Exilzeitschrift heraus.

© Mémorial de la Shoah/collection Germaine Poliakov
Poliakov (Mitte) als Soldat, Ort unbekannt, 1939. Während des Westfeldzugs der Wehrmacht gerät er in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Als französischer Soldat gelangt er 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft, aus der er kurz darauf flieht. Poliakov schließt sich der Résistance an und ist an der Rettung vieler jüdischer Kinder beteiligt. Gemeinsam mit Isaac Schneersohn gründet er 1943 im Untergrund das Centre de Documentation Juive Contemporaine (CDJC, Zentrum für zeitgenössische jüdische Dokumentation), eine historische Kommission zur Dokumentation der Verbrechen an den französischen Jüdinnen und Juden. Das CDJC ist heute Teil des Mémorial de la Shoah, der zentralen Holocaust-Gedenkstätte Frankreichs.

“Ich wollte wissen, warum sie mich gemeinsam mit Millionen anderer Menschen töten wollten.”

Léon Poliakov
© Wiener Library Collections
Die erste gemeinsame Publikation von Poliakov und Joseph Wulf über den Nationalsozialismus, 1955. Es folgen "Das Dritte Reich und seine Diener" (1956) und "Das Dritte Reich und seine Denker" (1959).

Während der Nürnberger Prozesse ist Poliakov als Berater für die französische Delegation tätig. Als wissenschaftlicher Leiter des CDJC erforscht er den Holocaust. Mit Le Bréviaire de la haine. Le IIIe Reich et les Juifs (Das Brevier des Hasses. Das Dritte Reich und die Juden) publiziert er 1951 eine umfangreiche Studie zum Holocaust. Gemeinsam mit Joseph Wulf veröffentlicht er zwischen 1955 und 1958 drei Dokumentenbände zu nationalsozialistischen Tätergruppen in deutscher Sprache.
Bis zu seiner Emeritierung lehrt Poliakov an der Sorbonne und forscht zu den Themen Antisemitismus und Rassismus