Gemeinsame Pressemitteilung

der Alfred Landecker Foundation und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz

Tagung zu 80 Jahre Wannsee-Konferenz: Welche Rolle spielt die Besprechung über die "Endlösung der Judenfrage" heute in Kultur, Bildung und Vermittlung?

  • Das Haus der Wannsee-Konferenz und die Alfred Landecker Foundation veranstalten internationale und interdisziplinäre Tagung vom 19. bis zum 21. Januar in Berlin.
  • Renommierte Expert:innen wie Dan Diner und Deborah Lipstadt sprechen über den historischen Ort und seine damalige und heutige Bedeutung.
  • Die deutsch-englische Veranstaltung findet hybrid im dbb forum berlin sowie als Live-Stream statt.

 

20. Januar 1942. Was bleibt?

Die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz lädt zusammen mit der Alfred Landecker Foundation zu einer internationalen und interdisziplinären Tagung zum 80. Jahrestag der "Besprechung über die Endlösung der Judenfrage" ein. Die Tagung fragt nach der Relevanz der Wannsee-Konferenz für die Geschichte und das heutige Bewusstsein über die Shoah. Internationalen Expert:innen, darunter die US-amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt und der deutsch-israelische Historiker Dan Diner, sprechen über den historischen Ort in seiner Bedeutung damals und heute. Politik-, Medien- und Erziehungswissenschaftler:innen, Künstler:innen, Schriftsteller:innen und Kurator:innen beleuchten die Rolle, die die "Wannsee-Konferenz" in Kultur, Bildung und Vermittlung spielt.

Die Tagung, deutsch-englisch simultan übersetzt, findet am 19./20. Januar 2022 als Hybrid-Veranstaltung im dbb forum berlin und in der Akademie der Künste in Berlin statt sowie am 21. Januar 2022 als Zoom-Webinar, gestreamt aus dem Haus der Wannsee-Konferenz.

“Die Besprechung am Wannsee steht sinnbildlich für die Beteiligung der gesamten staatlichen Verwaltung am Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden. ‘Wannsee’ war und ist ein Ort der Täter. Gleichzeitig kann die Bedeutung dieses Ortes nicht ohne die Perspektive der Betroffenen erfasst werden. Für das Verständnis der Shoah ist dieses Spannungsverhältnis zentral. Auf unserer Tagung wollen wir die Frage diskutieren, was von der Wannsee-Konferenz bleibt. Wir blicken also nicht nur in die Vergangenheit, sondern befragen auch unsere Gegenwart”, sagt Deborah Hartmann, Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte.

Dr. Andreas Eberhardt, Gründungsdirektor der Alfred Landecker Foundation, ergänzt: "Das Haus der Wannsee-Konferenz steht für eine zeitgemäße Gedenkkultur. Mit der interdisziplinären Tagung zur Besprechung am Wannsee diskutieren wir daher auch Funktionen und Dynamiken von Administration und Bürokratie – Themen, die etwa beim Schutz von Minderheiten auch heute noch anschlussfähig und wichtig für aktuelle Debatten sind."

Im Rahmen der Tagung wird gemeinsam mit Regisseur Matti Geschonneck in der Akademie der Künste am Pariser Platz der neue Spielfilm „Die Wannseekonferenz“ vorgestellt, vier Tage vor seiner TV-Premiere im ZDF am 24. Januar.

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Portrait Eike Stegen

Eike Stegen

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Über die Alfred Landecker Foundation

Die Alfred Landecker Foundation fördert und beschleunigt die Entwicklung einer offenen, demokratischen und diskriminierungsfreien Gesellschaft – innovativ, mutig und disruptiv.
Die Alfred Landecker Foundation ist ein Inkubator für Demokratie im digitalen Zeitalter. Sie nutzt den technologischen Fortschritt und umfassende Expertise im Sinne einer offenen Gesellschaft und zeitgemäßen Erinnerungskultur sowie für die Bekämpfung von Antisemitismus und Rassismus. Die Stiftung schafft Netzwerke, Räume und Wissen, indem sie interdisziplinäre Projekte unterstützt, fördert, vernetzt und professionalisiert. Durch den Aufbau eines Netzwerks global aktiver Partner:innen macht sie Wissen und Erfahrungen breit verfügbar und bringt unterschiedlichste Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis an einen Tisch.

Die Alfred Landecker Foundation wurde 2019 von der Stifterfamilie Reimann eingerichtet und hat ihren Sitz in Berlin. Zuvor hatten Medienrecherchen ergeben und der von der Familie beauftragte Wirtschaftshistoriker Professor Paul Erker ermittelt, dass Albert Reimann jun. und Albert Reimann sen., die damaligen Leiter des Familienunternehmens Joh. A. Benckiser GmbH, überzeugte Unterstützer des Nationalsozialismus waren und im Unternehmen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter eingesetzt worden waren.

Die Geschichte des jüdischen Buchhalters Alfred Landecker ist untrennbar mit der Geschichte der Familie Reimann verbunden. Emilie Landecker, die Tochter von Alfred, hatte eine Beziehung mit Albert Reimann Junior, aus der drei Kinder hervorgingen. Alfred Landecker selbst wurde 1942 nach Izbica, einem Ghetto im besetzten Polen, deportiert. Danach verliert sich seine Spur. Das Ghetto in Izbica war eine Durchgangsstation in die Vernichtungslager Belzec und Sobibor.

Es ist Anliegen der Familie Reimann, noch lebende Opfer des Holocaust zu unterstützen und, als Lehre aus der Geschichte für die Gegenwart, Demokratie und Minderheitenrechte zu fördern und zum Erhalt und der Stärkung einer pluralistischen Gesellschaft beizutragen.