Zulassung zur Wehrplicht und Militärdienst

Hoffman, Rainer L.; Römer-Hillebrecht, Gideon: Meno Burg, in: Berger, Michael; Römer-Hillebrecht, Gideon (Hg.): Juden und Militär in Deutschland, Baden-Baden 2009, S. 101-115.
Meno Burg im Rang eines Majors, Ausschnitt, Datum unbekannt, Maler unbekannt.

Juden in Preußen wurden erst 1814, im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht, zum Militärdienst eingezogen.  

Im Gegensatz zu Österreich-Ungarn, in dem Juden ab 1788 Wehrdienst leisteten und auch Generäle berufen wurden, gab es in Preußen lediglich mit Meno Burg (1789-1853) einen Juden im Rang eines Stabsoffiziers. Er diente als einer der wenigen jüdisch-preußischen Berufssoldaten und bildete eine Projektionsfläche jüdischer Hoffnungen auf eine umfassende Gleichberechtigung und Anerkennung durch die christliche Mehrheitsgesellschaft. 

Beteiligung am Ersten Weltkrieg

Nach einem Chanukka-Gottesdienst an der Ostfront, 1916, Fotograf unbekannt, in: Heikaus, Ulrike; Köhne, Julia B. (Hg.), Krieg! Juden zwischen den Fronten 1914–1918, Berlin 2014.

Am 1. August 1914, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, proklamierte Kaiser Willhelm II. den "Burgfrieden": 

„Ich kenne keine Parteien und keine Konfessionen mehr; wir sind alle deutsche Brüder und nur noch deutsche Brüder.“ 

Jüdische Deutsche teilten den patriotischen Konsens von nicht-jüdischen Deutschen. 

Während des Krieges wurde die Institution des Armee-Rabbinats geschaffen. Feldrabbiner waren vor allem für die Seelsorge verantwortlich und wurden von den jüdischen Gemeinden unterstützt. Rabbiner, Priester und Pfarrer hielten gemeinsame Gottesdienste für gefallene Soldaten. Für die jüdische Militärseelsorge gab es keine mit christlichen Militärkirchenordnungen oder Gesetzesregelungen vergleichbare Gleichstellung. 

“Judenzählung” im Ersten Weltkrieg

LeMO Erster Weltkrieg - Innenpolitik - "Judenzählung" 1916 (dhm.de)
Zusammenfassung, in: Segall, Jacob: Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914–1918, Berlin 1921, S. 38.

Die deutsche Kriegseuphorie und die Hoffnung eines schnellen Sieges schwanden mit dem erstarrten Stellungskrieg und der schwierigen Lebensmittelversorgung. 

Antisemitische Botschaften wurden von rechten Agitatoren erfolgreich verbreitet: eine große Zahl jüdischer Wehrpflichtiger sei vom Heeresdienst befreit oder nicht an der Front eingesetzt. Der preußische Kriegsminister ordnete im Oktober 1916 eine statistische Erhebung an. 

Die Verleumdung und Ausgrenzung wurden von deutschen Jüdinnen und Juden als scharfer Bruch der bisherigen Assimilations- und Emanzipationspolitik empfunden. Nach Protesten jüdischer Organisationen stellte das Ministerium fest, dass das Verhalten jüdischer Soldaten weder Ursache noch Veranlassung zu der Anordnung gegeben habe. Da das Ergebnis der "Judenzählung" nie veröffentlicht wurde, erhielten antisemitische Gerüchte und Spekulationen neue Nahrung.  

Die "Judenzählung" trug zur Entfremdung zwischen den Kameraden bei und brachte bei vielen Jüdinnen und Juden die tiefe Ernüchterung, dass auch Patriotismus und hohe "Blutopfer" keine gesellschaftliche Anerkennung fanden.  

1921 gab der Statistiker und Arzt Jacob Segall, Leiter der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, eine Broschüre heraus, in der er eigene Berechnungen vorlegte. 

Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (1919-1938)

Compact Memory / Der Schild : Zeitschrift des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten : H. Sonderausgabe. Berlin (uni-frankfurt.de)
Erste Seite der Sonderausgabe „Der Schild“, Zeitschrift des Bund jüdischer Frontsoldaten, ohne Jahr.

Im kurz nach Kriegsende gegründeten "Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten" blieb jüdischen Frontkämpfern die Mitgliedschaft verwehrt. Hauptmann Leo Löwenstein gründete im Februar 1919 den "Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" (RjF), in dem das Wirken aller jüdischen Kriegsteilnehmer Anerkennung finden sollte. Mitte der 1920er Jahre hatte der RjF rund 40 000 Mitglieder. Bald war er die Mitglied stärkste Organisation des deutschen Judentums in der Weimarer Republik. 

Mit der verbandseigenen Wochenzeitung "Der Schild" versuchte der RjF, dem in der Weimarer Republik herrschenden Antisemitismus entgegenzuwirken. In einigen Städten des Deutschen Reichs aktivierte der RjF Selbstschutzeinheiten. Vereinzelt kam es dabei zu Kooperationen mit dem "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold"

Der RjF betonte die Soldatenehre und vertrat ein ausgesprochen deutsch-nationales Judentum. Es war für die Mitglieder zutiefst schockierend, als deutsche Juden unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 für wehrunwürdig erklärt wurden. Ab 1936 durfte sich der RjF nicht mehr politisch betätigen. Als der RjF 1938 aufgelöst wurde, war bereits ein Großteil seiner Mitglieder aus Deutschland emigriert. 

Zum Transkript des Titelblatts

Protest von Richard Stern

A Doorway to Heroism - Book Trailer

Einsatz in der Armee: Josef Chotzen

Josef Chotzen, Datum unbekannt. Bestand: GHWK.

Josef Chotzen wurde am 3. Juli 1883 in Ober-Glogau (Glogówek) in Oberschlesien als Sohn eines Rabbiners geboren. Als Josef aus beruflichen Gründen nach Cottbus zog, lernte er dort Elsa kennen. Beide Familien waren gegen die Ehe zwischen einer Christin und einem Juden. Daher wurde ihr erster Sohn Eppi 1907 unehelich geboren. Erst 1914 konnten Josef und Elsa heiraten.

 

Führungszeugnis im Militärpass von Josef Chotzen, Königsberg, 22.08.1917. Bestand: GHWK.

Von 1917 bis 1918 kämpfte er als Soldat und leistete Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg. Im Juli und August diente er als Musketier im Infanterie-Regiment 43 mit Garnison in Königsberg, wobei er wahrscheinlich an der Rückeroberung der Bukowina beteiligt war. In seinem Führungszeugnis wird ihm gute Führung bescheinigt. 

Dokument zur Verleihung des Ehrenkreuzes für Kriegsteilnehmer 1914/18 an Josef Chotzen, 29. November 1935. Bestand: GHWK.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Josef Chotzen als Jude diskriminiert. Obwohl Juden ab 1934 aus der Reichswehr ausgeschlossen wurden, konnte er als jüdischer Kriegsteilnehmer dennoch ein von Paul von Hindenburg verliehenes, gestiftetes Ehrenkreuz beantragen. Nach Hindenburgs Tod wurde es von Adolf Hitler verliehen. Josef erhielt seines im November 1935. 

Ab 1938 musste er körperlich sehr anstrengende Zwangsarbeit verrichten. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich dadurch zunehmend und er starb am 27. Januar 1942. 

Ausschluss aus der Wehrmacht: Joseph „Eppi“ Chotzen

Die Gebrüder Chotzen, Eppi 2.v.r., Späte 1930er Jahre. Fotograf unbekannt. Bestand: GHWK.

Joseph, genannt „Eppi“, zog 1914 mit seinen Eltern, Elsa und Josef nach Berlin, wo er zur Schule ging und sich für Sport begeisterte. Er war politisch engagiert und seit 1929 Mitglied der Kommunistischen Partei. Die nationalsozialistische Diskriminierung von als „Halbjuden“ definierten Menschen schränkte Eppi Chotzens Leben massiv ein: Er konnte keine gute Anstellung mehr finden. Seine Freundin Božka konnte er nicht heiraten, da christlich-jüdische Ehen seit Ende 1935 verboten waren.

Gestellungsaufforderung an Joseph „Eppi“ Chotzen vom 24. April 1939, Polizeipräsidium Berlin. Eppi wird aufgefordert, sich am 26. Mai 1939 im Musterungslokal in Berlin-Wilmersdorf einzufinden. Bestand: GHWK.

Im April 1939 wurde er vom Polizeipräsidium Berlin zur Musterung einberufen.

Am 26. April wird ihm ein Ausschließungsschein ausgestellt mit dem Vermerk „Jude“. Bestand: GHWK.

Kurz darauf erhielt er einen Ausschließungsschein aus der Wehrmacht mit dem Vermerk „Jude“. 

Seine drei Brüder und deren Frauen wurden durch die Nationalsozialisten ermordet. Er starb 1992 in Berlin. 

Ausschluss deutscher Juden aus der Armee

Am 28. Februar 1934 wies der Reichswehrminister Werner von Blomberg die Anwendung des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ auf die Armee an. Außer den ehemaligen Frontkämpfern mussten sämtliche jüdische Soldaten die Reichswehr verlassen.

Das "Gesetz zur Wiedereinführung der Wehrpflicht" vom März und das "Reichsbürgergesetz" vom September 1935 bedeutete den vollständigen Ausschluss deutscher Juden sowohl vom Wehrdienst als auch von den Rechten als Staatsbürger. Jüdischen Veteranen, die im Verlauf der deutschlandweiten Pogrome des 9./10. November 1938 verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt worden waren, wurden wegen ihres Status als "Frontkämpfer" des Ersten Weltkriegs zwar zunächst wieder entlassen, viele von ihnen wurden jedoch später erneut verschleppt. 

Erlass des Reichswehrministers vom 28. Februar 1934 über die Anwendung des § 3 (Arier­paragraphen) des Gesetzes „Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" auf die Soldaten der Reichswehr

Die Bestimmungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 § 3 (arische Abstammung) sind auch auf Offiziere, Deckoffiziere1, Unteroffiziere und Mannschaften sinngemäß anzuwenden. [... ] 

In Fällen, in denen die arische Abstammung infolge der Unmöglichkeit, die erfor­derlichen Urkunden beizubringen, nicht vollständig nachgewiesen werden kann, ent­scheidet bei Offizieren der Reichswehrminister, bei Unteroffizieren und Mannschaften des Heeres der nächsthöhere Disziplinarvorgesetzte; bei Deckoffizieren, Unteroffizie­ren und Mannschaften der Marine der Kommandeur der Schiffsstammdivision (II. A.d.O.), bei ihrem Offiziersnachwuchs die Inspektion des Bildungswesens, ob die arische Abstammung nach den vorhandenen Unterlagen anerkannt werden kann. Die Nachprüfung ist beschleunigt vorzunehmen. 

Offiziere, Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, die den Bestimmungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums § 3 nicht entsprechen, können nicht in der Wehrmacht belassen werden. 

Die Entlassung solcher Offiziere und Deckoffiziere erfolgt nach § 26a bzw. b des Wehrgesetzes. 

Bis 31. Mai 1934 sind von den Divisionen usw. und Stationskommandos2 die be­endete Durchführung der Nachprüfung und zahlenmäßig die auf Grund dieses Erlasses Entlassenen bzw. zu Entlassenden — getrennt nach Dienstgrad und Dienstalter dem Reichswehrministerium zu melden. Zwischenmeldung über die voraussichtliche Anzahl bis zum 1. April 1934 an das Reichswehrministerium. 

1 Portepee-Unteroffiziere der Marine, die durch eine besondere Fachausbildung für spezielle Auf­gaben qualifiziert sind. Sie rangieren in der Hierarchie zwischen den übrigen Unteroffizieren und Offizieren. 

2 Die beiden Kommandostellen der Marine, denen die landgestützten Teile unterstellt: waren (Marinestation Nordsee und Marinestation Ostsee). 

Zitiert aus: Müller, Klaus-Jürgen: Das Heer und Hitler, Stuttgart 1969, hier S. 592 f. 

Anwendung des “Arier-Paragraphen” bei der Wehrmacht: Denkschrift Erich von Mansteins

Nachweis: Bundesarchiv, Bild 183-H01757. LeMO Erich von Manstein (dhm.de)
Erich von Manstein 1938, Fotograf unbekannt.

Erich von Manstein (1887-1973) nahm am Ersten Weltkrieg als Oberleutnant und Hauptmann teil, anschließend blieb er in der Armee. Dem Machtantritt Hitlers und der Politik der Nationalsozialisten begegnete er überwiegend wohlwollend. Im Oktober 1936 wurde er zum Oberquartiermeister I und zum Stellvertreter von Generalstabschef Beck ernannt. Im NS-Regime war er an Kriegsplanungen und - Vorbereitungen beteiligt. 1940 wurde er zum General befördert.  

Mit Beginn von "Barbarossa" rückten die unter Mansteins Befehl stehenden Panzerverbände durch die baltischen Staaten bis Leningrad vor. Im September 1941 wurde er zum Oberbefehlshaber der 11. Armee ernannt. Manstein erklärte sich mit dem "Reichenau-Befehl", in dem Walter von Reichenau seine Soldaten zur "gerechten Sühne am jüdischen Untermenschentum" aufruft, voll einverstanden. Er gab ähnlich lautende Befehle heraus. 

Von der Möglichkeit eines Sieges gegen die Sowjetunion überzeugt, forderte er 1943 vergebens die Einsetzung eines militärischen Oberbefehlshabers Ost mit allen Vollmachten. Auf Kontaktversuche des militärischen Widerstands ging er nicht ein und blieb Hitler gegenüber loyal. 1944 wurde er von seinem Posten entlassen.  

Im Nürnberger Prozess als Zeuge geladen, erfolgte 1949 eine Anklage durch die britische Besatzungsmacht. Nach seiner Haftentlassung beteiligte er sich am Aufbau der Bundeswehr. 

Anschreiben zur Denkschrift des Chefs des Generalstabes des Wehrkreiskommandos III (3. Division), Oberst i.G. von Manstein, über die nachträgliche Anwendung des Arierparagraphen auf die Wehrmacht an den Chef des Truppenamtes, Generalleutnant Beck, vom 21.

Hochzuverehrender Herr General! 

Obwohl ich weiß, wie sehr Zeit und Arbeitskraft von Herrn General in Anspruch genommen sind bitte ich doch Herrn General eine Angelegenheit vortragen zu dürfen, die mir besonders am Herzen liegt. 

Vor einigen Tagen erhielt ich die Nachricht, daß ein Offizier des Kolberger Jägerbatallions zur Verabschiedung auf Grund des Arier-Paragraphen eingegeben werden soll. Es handelt sich um einen jungen Leutnant, den ich seinem Charakter, seiner Gesinnung und seinen Leistungen nach besonders hoch schätze. In seinem Charakter können Herr General vielleicht einen kleinen Eindruck durch folgendes gewinnen: In dem Brief, den der betreffende Offizier mir über sein Schicksal geschrieben hat und in dem er, obwohl doch seine ganze Zukunft vernichtet ist, nicht den leisesten Vorwurf erhebt, schreibt er über seine Auffassung folgendes (wobei ich hinzufügen muß, daß mit ihm auch sein jüngerer Bruder, ein Fahnenjunker, in gleicher Weise betroffen ist und beide völlig mittellos sind). 

„Ich wollte es Herrn Oberst damals gleich schreiben, es war aber alles so wirr in mir. Daß wir Deutschland nicht mehr dienen dürfen, empfinden wir am wehesten. Und obgleich das Leben nun nicht mehr wertvoll erscheint, nachdem man uns diese Berechtigung nahm, sind wir zu jung, zu sehr Offiziere und zu stolz, um zu zerbrechen. Vielleicht braucht uns Deutschland später noch einmal, dann sind wir da.“ 

Ich weiß, dass Herr General Verständnis dafür haben, daß mich als ehemaliger Kommandeur das tragische Schicksal dieses jungen Offiziers außerordentlich bewegt hat und ich mich verpflichtet fühle, alles zu tun, um ihm zu helfen. Der Fall hat mich veranlaßt, über die Frage der nachträglichen Anwendung des Arier-Paragraphen auf das Heer, gründlicher nachzudenken, als man es in der heutigen Zeit mit ihrer Hast und ihrer dienstlichen Beanspruchung sonst tun würde. Das Ergebnis habe ich in der Anlage niedergelegt. Ich bitte Herrn General, die darin zum Ausdruck gebrachten Gedanken nicht als Kritik oder gar Vorwurf gegen unsere militärische Leitung anzusehen. […] Diese Gedanken sollen vielmehr ein Versuch sein dazustellen, wie das Offizierskorps diese Frage empfindet. Ich glaube, daß die Gedanken tatsächlich auch denen der Masse des Offizierskorps entsprechen, eine Ansicht, die auch der Herr Befehlshaber, der sie gebilligt hat, teilt.  

Ich glaube, daß wir die Frage nicht nur von dem Standpunkt der Betroffenen ansehen dürfen, sondern vielmehr in erster Linie von dem Gesichtspunkt aus, ob es mit der Ehre der Armee vereinbar ist, Kameraden nicht die Treue zu halten, um politischen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Ich glaube, daß wir ein Recht darauf haben, den Soldaten anders zu beurteilen als den Beamten, daß unsere Vergangenheit uns das Recht gibt, allein über Ehre und Ansehen des Heeres zu entscheiden, daß wir es nicht nötig haben, uns dem Anspruch Außenstehender zu beugen. Man kann m.E. die ganze Frage nur vom Ehrenstandpunkt aus betrachten. Von diesem Standpunkt aus hat das Offizierskorps nach alter Überlieferung ein Recht mitzusprechen, sowohl zum Schutz der Ehre der Betroffenen wie vor allem zum Schutz seiner eigenen Ehre.

Daß wir alle Nationalsozialismus und Rassegedanken restlos bejahen, steht außer Zweifel. Wir dürfen aber daneben m.E. nicht die Soldatenehre vergessen, die uns bisher unlöslich miteinander gekettet hat.   

Darf ich Herrn General gehorsamst bitten, in diesem Sinne die beteiligten Gedanken durchzusehen und zu überlegen, ob wir nicht […] die Offizierskorps als Hüter der soldatischen Ehre zur Prüfung des Einzelfalls heranziehen sollten. Ich glaube allerdings auch, daß diese Prüfung sich erstrecken müßte auch auf die Offiziere, die nichtarischer Herkunft sind, aber den Krieg mitgemacht haben. Wenn wir auf der einen Seite dem Soldaten ein Sonderrecht zubilligen, das ihn über andere hinaushebt, so müssen wir uns auf der anderen Seite selbst um so schärfer prüfen. […]. 

Mit der Versicherung vorzüglichster Hochachtung habe ich die Ehre zu sein Herrn Generals 

Gehorsamster 

v. Manstein 

Anlage: Gedanken zur nachträglichen Anwendung des Arier-Paragraphen auf die Wehrmacht. 

Zitiert aus: Müller, Klaus-Jürgen: Das Heer und Hitler, Stuttgart 1969, hier S 593-597.